TAO Unternehmensberatung

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Punktgenau funktionieren im Höchstleistungsbereich

Eine Nachlese zum Vortrag von Dr. Rainer Holzinger

Im Rahmen der TAO Akademie hielt MMag. Dr. Rainer Holzinger, Dozent an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz, einen Vortrag über die Fähigkeiten von Spitzensportler/inne/n und Weltklasse-Künstler/inne/n, eine Top Leistung genau zum Zeitpunkt des Wettkampfes oder der Aufführung zu erbringen.

Holzinger eröffnete seine Ausführungen mit dem Grundsatz der Neuroplastizität unseres Gehirns. Grundsätzlich ist unser Gehirn ein Wunderwerk, in dem (fast) alles (um)trainierbar ist. Das bedeutet auch, dass Entwicklung jederzeit möglich ist. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ demaskiert sich damit als eine billige Ausrede zum Vertuschen von Bequemlichkeit.

Rainer Holzinger betreut Hochleistungsträger/innen im Spitzensport und in der Musik und hat mit diesen Menschen die Erfahrung gemacht, dass alle über drei wesentliche Eigenschaften verfügen, die sie in die Lage versetzen, an die Spitze zu gelangen bzw. dort zu bleiben:

  • das ist einerseits das Talent,
  • andererseits aber eine hohe Disziplin
  • und drittens die Liebe zum Detail und die Geduld „langweilige Dinge“ bis zur Perfektion zu üben, sei es eine schwierige Passage in einem Klavierstück oder eine Folge von Bewegungsabläufen im Sport.

Jeder Künstler/ jede Künstlerin kennt auch das Lampenfieber vor einer Aufführung und jede/r Sportler/in kennt die Nervosität vor dem Wettkampf. Diese Angespanntheit ist normal. Wesentlich ist nur, wie man mit diesem Phänomen – hinter dem sich eigentlich Angst verbirgt - umgeht.Punktgenau funktionieren

Angst blockiert – Angst stimuliert!!!

Phylogenetisch hat sich Angst bewährt. Sie aktiviert, sie steigert den Adrenalinspiegel und macht uns damit bereit für den Kampf oder die Flucht. Hinderlich wird sie, wenn sie in Panik mit entweder ziellosem Aktivismus oder Starre umschlägt.

Die Kunst der Spitzensportler/innen und Weltklassekünstler/innen ist es nun, einen punktgenauen Zugang zu dieser Angst und den damit verbundenen Bewältigungsmechanismen zu haben. Dazu bedarf es einerseits der Bewusstheit über die eigene Angstgeschichte und der Bewältigungsstrategien von selbst erlebten ängstigenden Situationen oder modellhaft (mit)erlebten Angsterlebnissen anderer und andererseits der Fähigkeit, Katastrophisierung zu vermeiden („dieser Auftritt wird nie was“ … „mit diesen Mitbewerbern brauche ich gar nicht erst anzutreten …“ ).

Zwischen diesen beiden Punkten des hypnotischen Zurückschauens auf vergangene Ängste und des hypothetischen Phantasierens zukünftiger potenziell unbewältigbarer Ereignisse gilt es, die Handlungsfähigkeit in der Gegenwart zu erhalten. Laut Holzinger resultieren 40 % unserer Ängste aus dem Retrospektieren vergangener Situationen und 40 % ergeben sich aus dem Katastrophisieren zukünftiger möglicher schlimmer Ereignisse und nur 20 % basieren auf den Gegebenheiten der Gegenwart. Salopp gesagt bräuchte ich mich 80 % weniger fürchten und könnte diese Energie für das Bewältigen der Situation aufbringen.

Bezüglich der Vergangenheit erschwert uns der "Zeigarnik Effekt" die Bewältigung schwieriger Episoden, da wir uns an unerledigte Aufgaben (und damit an angstmachende Situationen) oft besser erinnern als an abgeschlossene Tätigkeiten, auch wenn das Unerledigte nur einen Bruchteil der Zeit im Vergleich zum Abgeschlossenen bedurft hat. Deshalb ist es wichtig, die eigene (Angst)Geschichte zu reflektieren und die Reife zu entwickeln, es aufzugeben, gegen die Vergangenheit zu kämpfen.

Eine weitere Fußangel, die alte Ängste dominant weiterleben lässt, ist die Tendenz, Probleme zu personalisieren und (fast alles) ausschließlich auf sich zu beziehen. Das Orchester hat nicht brilliert, weil ich den einen Einsatz fast verpasst hätte.

… über die Lust an der Schwierigkeit …

Auf der anderen Seite steht die Zukunftsangst, was denn da nicht alles passieren könnte. Nach dem Motto „zu Tode gefürchtet ist auch gestorben“ ist die beste Strategie, damit umzugehen, sich auf die Zukunft bestmöglich vorzubereiten und die antizipierbaren schwierigen Situationen in einer Probehandlung durchzuspielen.

Hier zeigt sich, dass alle Top Performer aus Sport und Kunst Rituale entwickelt haben, die ihnen dabei helfen, sich zu fokussieren, um dann zum Zeitpunkt der Leistungserbringung „in den Flow“ zu kommen.

Als rituelle Vorbereitung kann helfen, den inneren behütenden Vater die Ängste und Sorgen beschwichtigen zu lassen. Konkret heißt dies, eine Aufführung, einen Wettkampf mit sich selbst zu besprechen. Es reicht nicht aus zu wissen, dass man eine schwierige Passage z.B. in einem Slalom bewältigen kann, sondern man muss mit sich darüber reden und sich selbst erzählen, dass ich das kann, dass ich das beim letzten Training super bewältigt habe und beim Wettkampf nur genauso zu machen brauche.

Schwierige Dinge muss man lernen zu integrieren. Nicht nur, dass man diese schwierige Passage bewältigen wird, denn sonst denke man „ … noch 5 Tore bis zum Problem, jetzt wird es schwierig, noch 3, noch zwei, jetzt muss ich aufpassen! Noch eins, verpasst …!“, sondern dass man lernt, in den Flow zu kommen und sich auf diese schwierige Passage zu freuen und zu genießen lernen, wie man sie bewältige.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass man nicht seine gesamte Existenz von diesem einen sportlichen oder künstlerischen Ereignis abhängig macht. Jede/r muss sich immer wieder bewusst machen, dass ein Teil in einem selbst der/die Leistungsträger/in ist, dass aber die restliche Person auch Geltung erlangt, indem man immer wieder bewusst in andere Rollen hineinschlüpft, in die Rolle als Tochter / Sohn, oder in die Rolle als Liebhaber/in.

A propos Liebe. Das Geliebt-werden von der Leistung abhängig zu machen ist ein fataler Irrtum. Liebe bekommt man entweder geschenkt oder es ist keine Liebe. Geliebt werden muss man dort am meisten, wo man es am wenigsten verdient.

Spitzenleistung entsteht durch „Umwandlung von Gefühlen“

Die Spitzenleistung am Punkt hängt immer wieder mit der Fähigkeit zusammen, die eigenen Gefühle produktiv umzuwandeln. Holzinger bewegte sich in seinem Vortrag an dieser Stelle in die Gehirnphysiologie und beschrieb die Amygdala als den Teil des Gehirns, der sich die Gefühle merkt und den Hippocampus als die für die Faktenlage relevante Gehirnregion.

Will man nun ein Gefühl loswerden, so hilft es nichts, dieses Gefühl zu ignorieren, zu verdrängen oder zu verleugnen, sondern man muss über die Beschäftigung mit dem Emotionen verursachenden Sachverhalt lernen, mit seinen Emotionen spielen zu können.

In Anlehnung an die Yerkes-Dodson Kurve, wonach bei steigendem Aktivierungsniveau die Leistungsfähigkeit bis zu einem Maximum steigt und dann eine weitere Stimulierung ins Gegenteil, d.h. in eine sinkende Produktivität umschlägt, beschrieb er als Beispiele die Boxcoaches von Muhammed Ali und Joe Frazier, die die Boxer vor dem Kampf aggressiv aufputschten, um den nötigen Aggressionspegel freizusetzen. Wichtig dabei war die Erregtheit ohne dass durch zu viel Bewegung unmittelbar vor dem Kampf das Adrenalin wieder verloren ging.

Feiern und regenerieren als Voraussetzung für Höchstleistung

Höchstleistung ist mit der Fähigkeit verbunden, mit seinen Emotionen zu jonglieren und dann in der Situation alles geben zu können, zu improvisieren, einzutauchen in den Prozess, sich dem Flow hinzugeben und eins zu werden mit der zu bewältigenden Materie.

Hochleistungen erbringenJedoch nach dem Wettkampf, nach der Aufführung ist es wichtig, dass eine gute Feierkultur und noch wichtiger, dass eine gute Pausenkultur entwickelt wird. Es ist nicht möglich, Spitzenleistung kontinuierlich und ohne Pause zu erbringen. Nach der Höchstleistung ist die Pause unabdinglich, für die Regeneration, die Entspannung, die Pflege der anderen zum Zeitpunkt der Leistungserbringung nicht im Fokus stehenden Lebensbereiche. Pflegt man diese anderen Rollen und Lebensbereiche nicht, vernachlässigt man die Pausenkultur, dann droht man langfristig zu verbrennen und sowohl die Lust an als auch die Fähigkeit zur Leistung zu verlieren.

Holzinger ging abschließend auf das Phänomen Stress ein. Stress macht nur dann krank, wenn man sich hilflos und ausgeliefert fühlt, ohne eine geeignete Bewältigungsstrategie zu haben, die einen auch auf andere Lebensbereiche blicken lässt. Blinde Verbissenheit und pausenlose Angespanntheit sind damit absolute Leistungskiller.

Im Gegenzug sind ein profundes Wertegefüge und Sinnstiftung, die aus dem gelebten Tun resultieren, Förderer von Leistung. Ein Kontrastprogramm von Bewegung und Ruhe, Anspannung und Gelassenheit, bewusstes intensives Üben und Tun und das Erhalten der Regenerationsfähigkeit durch ausreichende Pausen sind Förderer von (Spitzen)Leistung.

Der sehr anregende Vortrag, die anschließende Diskussion und das informelle Plaudern und zwanglose Beisammensein im Schloss Traun ließen diesen Abend zu einer sehr gelungenen Veranstaltung in die Annalen der TAO Akademie eingehen. Vielen Dank nochmals an Rainer Holzinger für seine Energie und Präsenz.

für Sie zusammengefasst von Peter H. Weissengruber, www.tao.co.at

Bilderquellen: Fotolia

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